Die Region Córdoba – Impressionen aus einer wundervollen Region

Region Córdoba

Die Region Córdoba in der gleichnamigen Provinz ist ein sehr beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel insbesondere für die „porteños“, die Bewohner der Hauptstadt Buenos Aires, und für viele Brasilianer. Auch viele „cordobeses“ verirren sich gerne für ein Wochenende in die Provinz, besonders in den von der Stadt aus nahegelegenen „Sierras de Córdoba“.

Diese „Sierras de Córdoba“ sind ein Gebirgskamm westlich von Córdoba und gehören zu den Pampinen Sierren. Während sie bei Südamerikanern recht beliebt sind, werden sie von Europäern und Nordamerikanern aufgrund der nahe gelegenen Anden häufig übergangen. Dabei haben die „Sierras de Córdoba“ einige erholsame Orte sowie viele Sport- und Wandermöglichkeiten zu bieten.

Die besten Jahreszeiten dafür sind Herbst und Frühjahr, wenn die Touristenmassen sich entweder schon verflüchtigt haben oder noch nicht eingetroffen sind. Besuchenswert sind die Städtchen La Falda oder La Cumbre. In Alta Gracia, südlich von Córdoba, kann man erneut die Hinterlassenschaften der Jesuiten wiederfinden und in Villa General Belgrano findet man viele Spuren deutscher Einwanderer. Absolutes Highlight ist der „Parque Nacional Quebrada del Condorito“. Die höchste Erhebung in den „Sierras“ ist übrigens der „Cerro Champaquí“ mit 2790 Metern. Folgend nun ein Überblick über die wichtigsten Orte der Region.

Stausee Villa Carlos Paz

Lago San Roque

Villa Carlos Paz

Am Ufer des Stausees „Lago San Roque“ liegt Villa Carlos Paz, ein Ort der im Sommer von sehr vielen Urlaubern aus der Hauptstadt Buenos Aires bevölkert wird. Vergleichbar ist dieser Ort mit Mar del Plata, einem Touristenort an der Atlantikküste. Villa Carlos Paz ist lediglich eine kleinere Ausgabe davon. Diese Stadt wird von etwa zwei Millionen Touristen jährlich besucht. Ein großer Anziehungspunkt für vorwiegend junge Leute ist das Nachtleben mit mehreren Discotheken, Theatern und Casinos.

Außer der höchsten Erhebung am Rande der Stadt, dem „Cerro La Cruz“, gibt es dort nicht viel zu sehen. Der Berg ist mit einem Sessellift besteigbar und ist etwa 950 Meter hoch. Im Sommer gibt es diverse Veranstaltungen wie Konzerte oder Festivals aller Art. Das größte Ereignis ist die Ralley-Weltmeisterschaft und findet im Mai oder Juni, also nicht im argentinischen Sommer, statt.

Cosquín

26 Kilometer nördlich von Carlos Paz liegt Cosquín. Dort finden drei bekannte Festivals jeweils einmal im Jahr statt. Das ist zum einen dem „Festival Nacional del Folklore“, ein nationales Folkloremusikfest, dass immer in der letzten Januarwoche gefeiert wird und neun Tage dauert. Ein anderes Festival ist eher rockiger Natur und nennt sich „Cosquín-Rock“, an dem viele nationale und internationale Hard- oder Punkrock-Bands spielen. „Cosquín-Rock“ ist in etwa mit „Rock am Ring“ vergleichbar und findet an einem Wochenende im Februar statt. Es ist das größte Open-Air-Rockfestival Argentiniens.

Ein drittes Festival findet einige Tage später ebenfalls im Februar statt, das „Cosquín-Cuarteto“. Es ist ebenfalls das größte Festival seiner Art landesweit. Im Sommer wird Cosquín, ähnlich wie in Carlos Paz, von Touristen bevölkert, während es Rest des Jahres völlig ruhig ist. Östlich der Stadt liegt der 1260 Meter hohe „Cerro Pan de Azúcar“, in dem man einen schönen Blick auf die benachbarten Sierren und bei gutem Wetter sogar auf die Stadt Córdoba hat.

La Falda

Fährt man von Cosquín über die RN 38 (Nationalstraße) etwa 20 Kilometer nordwärts, so kommt man in den Luftkurort La Falda im „Valle de Punilla“ am Fuße der „Sierras Chicas“. Das bekannteste Bauwerk dieses Ortes ist das historisch prunkvolle aber längst geschlossene Hotel Eden, das schon Spuren äußeren Verfalls aufweist. Es wurde 1897 erbaut und beherbergte sämtliche argentinische Präsidenten und andere illustre Gäste wie Albert Einstein.

Von La Falda aus führt ein beliebter Wanderweg in ungefähr zwei Stunden auf den Gipfel des „Cerro La Banderita“, der etwa 1350 Meter hoch ist. La Falda, früher ein Kurort für wohlhabende Argentinier, zieht heute hauptsächlich entweder Wandertouristen an oder Besucher aus Córdoba, die der Hektik der Großstadt entfliehen wollen.

Luftkurort La Cumbre

Luftkurort La Cumbre

La Cumbre

Weitere 18 Kilometer nördlich von La Falda liegt auf ca. 1141 Meter mit La Cumbre ein weiterer Luftkurort, der ebenfalls zum Wandern und zur Erholung einlädt. Der Ort hat aufgrund seiner hohen und ungeschützten Lage ein raues Bergklima mit gemäßigten Temperaturen im Sommer und kalten Wintern, zeitweise mit Schnee. Weltberühmt ist La Cumbre für das Gleitschirmfliegen und war im Jahre 1999 Austragungsort der Weltmeisterschaften im Paragliding. La Cumbre gilt als das Mekka der Gleitschirmflieger und zieht Anhänger dieser Sportart magisch an.

Außerdem hat der Ort ein wahres Künstlerflair. Interessant für Kunstinteressierte ist der „Camino de los Artesanos“. Entlang dieser Straße wird in unzähligen Häusern entweder selbst gemachte Kleinkunst oder kulinarisches aus eigener Rezeptur verkauft. Ein klein wenig Rio de Janeiro findet man in La Cumbre auch. Östlich der Stadt steht auf einem 300 Meter hohem Hügel der „Cristo Redentor“, eine sieben Meter hohe Christusstatue, von wo man einen wunderschönen Fernblick genießen kann.

Jesús María

Für einen Tagesausflug empfiehlt sich der Ort Jesús María, etwa 48 Kilometer nördlich von Córdoba gelegen. Hier liegt eine der schönsten „Estancias“ der Provinz, die von Jesuiten erbaut wurde. Dies geschah im Jahr 1618. Kirche und Kloster dieser „Estancia“ liegen auf einem wunderschönen Gelände und bilden zusammen das „Museo Jesuítico Nacional de Jesús María“. Ausgestellt sind dort archäologische Gegenstände von indigenen Völkern aus ganz Argentinien und informative Karten über den Verlauf der Missionsbewegung.

Am ersten Januarwochenende findet in Jesús María die alljährliche „Fiesta Nacional de Doma y Folklore“ statt, in der zehn Tage lang Reitkunst und Gebräuche der Gauchos gefeiert werden. Eine sehenswerte „Estancia“ aus Jesuitenhand, die auch auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerben steht, ist die „Estancia Santa Catalina“ und liegt ca. 20 Kilometer nordwestlich von Jesús María. Die gesamte „Estancia“ ist ein kleines Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die „Estancia Santa Catalina“ ist die einzige Weltkulturerbe-“Estancia“, die in Privatbesitz ist. Sie gilt als eine der schönste „Estancias“ der Region.

Kirche in Alta Gracia

Iglesia Parroquial Nuestra Señora de la Merced

Alta Gracia

Ebenfalls sehr empfehlenswert für einen Tagesausflug ist die 35 Kilometer südwestlich von Córdoba gelegene koloniale Bergstadt Alta Gracia. Genau wie in Jesús María findet man auch hier eine der zahlreichen Jesuiten-“Estancias“. Das auffälligste Gebäude dieser „Estancia“ ist die „Iglesia Parroquial Nuestra Señora de la Merced“. Direkt südlich davon liegen die kolonialen Werkstätten der Jesuiten, die sich „El Obraje“ nennen. Heute befindet sich in diesen Räumlichkeiten eine öffentliche Schule.

Neben der Kirche steht das „Museo Histórico Nacional del Virrey Liniers“, benannt nach dem früheren Vizekönig des Vizekönigreichs des Río de la Plata. Im 17. Jahrhundert errichteten die Jesuiten einige Dämme, die sich „Tajamar“ nennen. Dies waren von Jesuiten geplante und angelegte Bewässerungssysteme.

Lohnenswert ist auch ein Besuch des „Museo Casa de Ernesto Ché Guevara“. In dem Haus der „Villa Beatriz“, wo das Museum untergebracht ist, wohnte der kleine Ernesto Guevara mit seiner Familie in den 1930er-Jahren. Wegen des Asthmaleidens Ernesto Guevaras, der damals noch nicht „Ché“ gerufen wurde, zog die Familie aufgrund des Ratschlags des Arztes in diese Gegend, weil sie ein trockenes Klima hat. In den Inneräumen des Museums wird Ché Guevaras Lebenslauf durch Fotos und Videos dokumentiert. Einige Objekte aus seiner Jugendzeit sind ebenso dort ausgestellt.

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Villa General Belgrano

Etwa drei Autostunden von Córdoba entfernt liegt der Erholungsort Villa General Belgrano. Er unterscheidet sich gänzlich von anderen Orten in der Provinz Córdoba. Seine Gründerväter waren die Überlebenden des deutschen Kriegsschiffs Admiral Graf Spee. Der Kapitän dieses Schiffes hatte es wegen schwerer Beschädigungen im Dezember 1939 im Hafen von Montevideo selbst versenkt. Die Besatzung selber war daraufhin in dieser Gegend um den Ort interniert.

Dies ist der Grund, warum diese Ortschaft sehr deutsch anmutet. Seit 1964 wird hier das alljährliche „Fiesta Nacional de la Cerveza“ gefeiert, ein eigenes Oktoberfest also. Die Gastronomie erinnert ebenfalls an die deutschen Vorfahren dieses Ortes. Schwarzwälder Kirchtorte, Gulasch oder deutsches Bier sind hier nicht schwer zu finden.

La Cumbrecita

Um La Cumbrecita handelt es sich um ein ruhiges Dorf am Hang oberhalb des „Valle de Calamuchita“, dass komplett autofrei ist und nur etwa 600 Einwohner hat. Befestigte Straßen sucht man hier vergeblich. Der Hauptgrund für einen Besuch in La Cumbrecita sind die vielen Wandermöglichkeiten.

Der „Cerro La Cumbricita“ ist mit 1400 Meter der höchstgelegenste Punkt des Ortes und ist in ca. 20 Minuten erreichbar. Der höchste Berg der Region um den Ort ist der „Cerro Wank“ mit 1715 Metern, der in etwa 40 Minuten auf einem Wanderpfad erreichbar ist. Lohnenswert ist auch ein Gang zum „La Cascada“, einem Wasserfall am Berghang.

Parque Nacional Quebrado del Condorito in Argentinien

Andenkondor im Parque Nacional Quebrada del Condorito

Parque Nacional Quebrada del Condorito

Absolut empfehlenswert ist eine Tageswandertour durch den „Parque Nacional Quebrada del Condorito“. Es ist ein ca. 37 000 Hektar großes Naturschutzgebiet, dass sich durch die „Sierras Grandes“ zieht. Dieses mit Felsen durchzogene Weideland und liegt auf dem Weg von Córdoba nach Mina Clavero. Die Besonderheit dieses Nationalparks ist, dass man sämtliche Jungkondore beim Flug beobachten kann.

Parque Nacional Quebrado del Condorito in Argentinien

Parque Nacional Quebrado del Condorito

Parque Nacional Quebrado del Condorito in Argentinien

Parque Nacional Quebrado del Condorito

In den zahlreichen Schluchten befinden sich nämlich die Brutgebiete dieser Andenkondore. Die Wanderung durch den Nationalpark beginnt ab der Ortschaft La Pampilla, wo der Eingang des Parkes ist, und zieht sich neun Kilometer weit bis zu den Klippen des „Balcón Norte“, wo man einen besonders guten Blick auf die Flugbahnen der Kondore hat. Die Wanderung selbst dauert mehrere Stunden und führt über viele Hänge, Felsen und Schluchten. Man sollte dafür einen ganzen Tag einplanen.

Wie kommt man jedoch von Córdoba aus dorthin? Ganz einfach: man nimmt einen Bus nach Mina Clavero und auf Nachfrage halten die Busse am Parkeingang in der Nähe von La Pampilla. Für den Rückweg nach Córdoba oder die Weiterfahrt nach Mina Clavero muss man die Busse vom Straßenrand aus anhalten.

Mina Clavero

Diese Kleinstadt, etwa 170 Kilometer südwestlich von Córdoba gelegen, ist ein ebenso bei Argentiniern sehr beliebter Fremdenverkehrsort. Die idyllische Berglandschaft rund um Mina Clavero lädt zum Wandern ein, hat aber auch sehr viele Wasserfälle, kristallklare Flüsse und viele Naturpools zu bieten. Wanderfreunde sowie Wasserratten kommen hier voll auf ihrer Kosten.

Besonders im Sommer sind die Naturpools zum baden sehr beliebt. Diese sogenannten „Balnearios“ liegen außerhalb der Stadt auf den Wanderwegen im Gebirge. Besonders der Naturpool „Los Elefantes“ ragt wegen den benachbarten elefantenförmigen Felsformationen heraus. Besucht wird Mina Clavero von vielen „Cordobeses“ (Einwohner von Córdoba) und „Porteños“ (Einwohner von Buenos Aires) zur Erholung von der Hektik ihrer jeweiligen Großstadt. Im Frühjahr und Herbst ist es dort sehr ruhig, während der Sommer, wie an vielen anderen Orten der „Sierra“, Hauptreisezeit ist.

Badeort Cuesta Blanca in Argentinien

Badeort Cuesta Blanca

Cuesta Blanca und Icho Cruz

Zum Schluss möchte ich noch auf zwei beliebte Flussbadeplätze in der Nähe von Villa Carlos Paz aufmerksam machen: Cuesta Blanca und Icho Cruz am kleinen Fluss „Río San José“ gelegen. Von den Bewohnern der Stadt Córdoba werden diese beiden Orte zum sonn- oder feiertäglichen Baden und Erfrischen regelmäßig heimgesucht. Von sämtlichen Busbahnhöfen in Córdoba gelangt man mit Kleinbusses dorthin. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde und ist ideal für Leute, die keine allzu weiten Strecken zum Baden von Córdoba aus fahren wollen.

Schlussbemerkungen für die Region Córdoba

Die Bewohner der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires behaupten bekanntlich oft, dass Argentinien Buenos Aires und der Rest des Landes sei. Die meisten Touristen zieht es auch hauptsächlich in diese tolle kosmopolitische Stadt bzw. ist erster Anlaufpunkt einer Argentinienreise. Aber Argentinien ist definitiv nicht nur Buenos Aires.

Die Region Córdoba mit der Stadt Córdoba als Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und ihren „Sierras de Córdoba“ haben so viele Sehenswürdigkeiten und Attraktionen zu bieten, dass diese Region es verdient, ausführlicher erwähnt und beschrieben zu werden. Für jeden Geschmack und jede Leidenschaft haben die Stadt und ihre Region etwas zu bieten und lohnen in jedem Fall einen längeren Aufenthalt.

Wer einmal dort war, lernt diese Region lieben und kehrt immer wieder dorthin zurück. So geht es mir jedenfalls. Mit diesem doch sehr umfangreichem Bericht, so glaube ich, ist es mir gelungen, Córdoba über die sogenannte „Schmach von Córdoba“ hinaus bekannter zu machen.

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